Milena macht das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen

von Milena

Warum Rettungsschwimmen?

Da wir im Winter nicht tauchen gehen, weil wir bekennende Warmwassertaucher sind, habe ich die kalten Monate genutzt, um das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen bei der DLRG zu machen. Mir ist es wichtig, bei Wasserrettung und Erster Hilfe in Übung zu bleiben, um im Falle eines Falles gut reagieren zu können, auch wenn er hoffentlich nicht eintritt. Außerdem war mein letzter Erste-Hilfe-Kurs über zwei Jahre her und Sascha konnte seinen gerade als betrieblicher Ersthelfer wieder auffrischen - da wollte ich nicht hinterherhinken! =)

 

Natürlich hätte ich auch die Tauch-Rettungsszenarien im Schwimmbad wiederholen können, die wir im Rahmen des Rescue Diver und Divemaster Trainings eingeübt haben. Aber ich war gespannt, welche Unterschiede es bei der Wasserrettung ohne Hilfsmittel wie die Tarierweste oder den Auftrieb des Neoprenanzugs gibt.

Erwartung und Realität

Die DLRG hat mich sehr positiv überrascht. Es war zunächst nicht leicht, an die Informationen zu kommen, wann wo ein Kurs fürs Rettungsschwimmen stattfindet, was er kostet, wie lange er dauert und so weiter. Man merkt an dem Internetauftritt stark, dass es sich um einen deutschen Verein handelt.

 

Dementsprechend war meine Erwartungen an den Spaß in diesem Kurs eher niedrig: ich wollte ihn für mich und für "Sascha und Milena tauchen" durchziehen und suchte die Herausforderung, hab aber eher damit gerechnet, auf deutsche Ernsthaftigkeit zu stoßen und mit den anderen Kursteilnehmern anonym und im Einzelgängermodus im stillen Wettkampf zu stehen.

 

Ich habe die Herausforderung gefunden - aber gleichzeitig auch Spaß und eine tolle Gruppe, die den Erfolg der anderen mitfeiert.

 

Foto: Der Trainer ist lustig: "Du möchtest ein cooles Foto? Hier halt mal zwei von den Ringen!" - Blubb!!! - Aber für kurze Zeit gelingt es mir! Habt ihr schon mal versucht, zwei 5kg Ringe aus dem Wasser zu halten und dabei nicht unterzugehen?


Kosten, Dauer und Ablauf

Der Kurs bei der DLRG Alster (Hamburg) hat insgesamt 117€ gekostet. Darin enthalten ist aber auch der Mitgliedsbeitrag von 54€, weil man als Kursteilnehmer für mindestens ein Jahr in die DLRG eintreten muss. Das bringt den Vorteil, dass ich jetzt ein Jahr lang einmal pro Woche das Hallenbad St. Pauli nutzen darf. Und auch der Erste-Hilfe-Kurs ist im Preis inbegriffen.

 

Innerhalb von acht Wochen hatten wir acht Praxiseinheiten abends, zwei Theorieeinheiten abends und einen Samstag lang den Erste-Hilfe-Kurs. 

 

Pro Praxiseinheit werden neue Fähigkeiten geübt, die dann in der nächsten Einheit geprüft werden. Die Methode ist super, weil man jedes Mal mit einem Erfolgserlebnis nach Hause geht und nicht am Ende des Kurses in Prüfungsstress gerät.

 

Die theoretische Prüfung ist am Ende der zweiten Theorieeinheit und man kann vorher im Internet dafür üben.

 

Man muss sich zu Beginn des Kurses entscheiden, ob man Bronze, Silber oder Gold anstrebt und der Trainer beurteilt in der ersten Praxiseinheit, ob das realistisch ist. Wenn nicht - den Fall hatten wir - wird demjenigen geraten, erstmal zur Vorbereitung einen anderen Kurs zu machen. Bronze-, Silber- und Goldanwärter trainieren gemeinsam, es gibt dann halt bei den Prüfungen Unterschiede. Um Gold zu machen, muss man zunächst das Rettungsschwimmabzeichen in Silber haben.

Herausforderungen

Das sind die Anforderungen für das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen Silber und meine persönlichen Leistungen (nicht zum Bewundern oder Unterbieten, sondern damit Du siehst, dass die Anforderungen nicht so knapp sind, wie sie scheinen - ich war nicht die Beste!). 

  • 400 m Schwimmen in höchstens 15 min, davon 50 m Kraulschwimmen, 150 m Brustschwimmen und 200 m Schwimmen in Rückenlage mit Grätschschwung ohne Armtätigkeit ✔ (unter 12 Minuten)
  • 300 m Schwimmen in Kleidung in höchstens 12 min, anschließend im Wasser entkleiden ✔ (9:25 min)
  • Sprung aus 3 m Höhe ✔ (Whooooohoooo! Darf ich nochmal?)
  • 25 m Streckentauchen ✔ (Juhu, geschafft! 27 Sekunden - kam mir viel länger vor)
  • dreimal Tieftauchen von der Wasseroberfläche, zweimal kopfwärts und einmal fußwärts innerhalb von 3 Minuten, mit dreimaligem Heraufholen eines 5 kg-Tauchrings oder eines gleichartigen Gegenstandes (Wassertiefe zwischen 3 und 5 m) ✔ (ca. 1 min)
  • 50 m Transportschwimmen: Schieben oder Ziehen in höchstens 1:30 Minuten ✔ (1:15)
  • Fertigkeiten zur Vermeidung von Umklammerungen sowie zur Befreiung aus Halsumklammerung von hinten und Halswürgegriff von hinten ✔ (Ist im Wasser tatsächlich einfacher als an Land)
  • 50 m Schleppen inhöchstens 4 Minuten, beide Partner in Kleidung, je eine Hälfte der Strecke mit Kopf- oder Achsel- und einem Fesselschleppgriff ✔ (2:20)
  • Erste-Hilfe-Kurs ✔
  • Kombinierte Übung, die ohne Pause in der angegebenen Reihenfolge zu erfüllen ist: ✔✔✔
    • 20 m Anschwimmen in Bauchlage
    • Abtauchen auf 3-5 m Tiefe, Heraufholen eines 5-kg-Tauchrings oder eines gleichartigen Gegenstandes, diesen anschließend fallen lassen
    • Lösen aus der Umklammerung durch einen Befreiungsgriff
    • 25 m Schleppen
    • Anlandbringen des Geretteten
    • 3 Minuten Vorführen der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) 
  • Theoretische Prüfung ✔ (33 von 35 Fragen richtig)

 

Was habe ich gelernt?

1) Vorm Retten ausziehen!

Bist Du schon mal eine längere Strecke in Kleidung geschwommen? Mir ist beim Kleiderschwimmen klar geworden: wenn Du jemanden aus dem Wasser retten musst, zieh Dich wirklich bis auf die Unterwäsche aus! Die Zeit, die Du dafür brauchst, holst Du beim Schwimmen wieder ein und verausgabst Dich nicht so schnell! Die Leinenklamotten, in denen wir geschwommen sind, sind nicht schwer, aber haben mich im Wasser stärker behindert als ich dachte. 

2) Den Atemreflex runterschlucken

Als Gerätetaucherin bin ich meistens mit Pressluft unter Wasser und gewohnt, kontinuierlich zu atmen. Klar gibt es bei der Divemaster Ausbildung auch Übungen, in denen man unter Wasser die Luft anhalten muss, zum Beispiel wenn man demonstriert, wie man einen verlorenen Atemregler wieder findet oder wie zwei Tauchpartner wechselseitig aus einem Atemregler atmen.

 

Aber beim Luftanhalten eine Strecke zu tauchen, war ich nicht mehr gewohnt. Hat mich sehr geärgert, weil ich als Kind problemlos eine Bahn (25 m) getaucht bin.

 

Geschafft habe ich es mit folgendem Tipp, den mir ein DLRG-Mitglied gegeben hat:

Wenn du denkst, du musst atmen, einfach schlucken.

 

Übrigens muss man für 25 Meter Streckentauchen nicht super lange die Luft anhalten: ich war überrascht, dass ich für die Strecke nur 27 Sekunden gebraucht habe, es kam mir viel länger vor!

 

Jedenfalls freue ich mich, dass ich diese Herausforderung auch geschafft habe und werde das weiter üben, weil ich auch als Gerätetaucherin in der Lage sein möchte, eine Zeit lang ohne Luft auszukommen.


3) Sicherer geworden in Herz-Lungen-Wiederbelebung

Ich möchte nie in die Situation kommen, jemanden wiederbeleben zu müssen, aber falls das passiert, fühle ich mich dem mittlerweile gewachsen. Seitdem wir erst Rescue Diver und dann Divemaster geworden sind, haben Sascha und ich regelmäßig Beatmungstechniken geübt und die Wiederholung hat mich auch dieses Mal sicherer gemacht.

Möchtest Du das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen machen?

Es ist wichtig, zu verstehen, dass die DLRG dezentral in Gliederungen organisiert ist. Man tritt nicht beim Dachverband ein, sondern bei seiner lokalen Gliederung. Dementsprechend findet man also keine Übersicht aller Kurse in in einer Region, wie zum Beispiel Hamburg, sondern muss sich bei allen Gliederungen einzelnen informieren.

 

Hier findest Du die Gliederung in Deiner Nähe! Der nächste Kurs bei der DLRG Alster (Hamburg) startet am 10. Mai 2017.

 

Solltest Du Dich bei mehreren Gliederungen zu einem Kurs anmelden und Dir anschließend einen auswählen, sei so nett und sag den anderen Gliederungen ab. Bei unserem Kursbeginn haben sie mit 10 Teilnehmern gerechnet und 5 weitere waren auf der Warteliste (ich auch), aber letztendlich waren wir nur 5 Teilnehmer. Das ist natürlich für die Trainer schlecht planbar und ich bin froh, dass sie mir nicht einfach abgesagt haben, weil sie davon ausgingen, der Kurs wäre überbucht.

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