Wandern und Tauchen auf El Hierro - Teil 1: Wandern

Wandern und Tauchen auf El Hierro

von Milena

Wandern und Tauchen auf El Hierro

El Hierro ist die kleinste und südlichste Insel der Kanaren. Die Kanarischen Inseln liegen auf der Höhe von Süd-Marokko, sodass es dort das ganze Jahr über angenehm warm ist und gehören dennoch zu Spanien und somit zu Europa, sodass man problemlos auch nur mit Personalausweis einreisen kann.

 

Die Kanaren hatten wir schon seit einiger Zeit als Reiseziel ins Auge gefasst. Die Wahl, welche der Inseln unser Reiseziel sein sollte, fiel uns nicht leicht:

 

Am wärmsten sei es auf Fuerteventura und Lanzarote, dafür sei dort aber die Natur über und unter Wasser eher karg. Gran Canaria und Teneriffa sind super angebunden und vielseitig, aber eben auch sehr touristisch.

Und dann gibt es noch die drei westlichen und damit kältesten Inseln, die eher auf sanften Tourismus setzen und deshalb noch am ursprünglichen sind: La Palma, La Gomera und El Hierro.

 

Ausschlaggebend für die Wahl war für uns letztendlich die Frage, wo man am schönsten tauchen kann. Dazu hatten wir gelesen, dass man bei den westlichen Inseln mehr Großfische sehen kann, weil sie näher am offenen Atlantik dran sind und dann erfahren, dass La Restinga auf El Hierro der Ort zum Tauchen sei. 

Wie kommt man nach El Hierro?

Delphine

Wir sind nach Teneriffa geflogen (5 Stunden) und von dort mit der Fähre nach El Hierro gefahren (2,5 Stunden). Die Zeit, die wir für die Anreise kalkuliert hatten war definitiv zu knapp und wir hatten unglaubliches Glück, dass wir die Fähre noch erwischt haben:

 
Wir hatten ein Zeitfenster von 1,5 Stunden um nach der Landung die Koffer zu holen, den Mietwagen zu bekommen und auf die Fähre zu kommen. Die Fahrt vom Flughafen zum Fähranleger sollte laut Google Maps 15 Minuten dauern.
Klingt knapp? Ja, aber machbar, dachten wir, als wir die Reise im Januar organisiert haben. Kurz vor Reisebeginn waren wir uns da nicht mehr so sicher... 
Zunächst war unser Flugzeug um zwanzig Minuten verspätet gestartet, konnte die Zeit aber wieder aufholen. Dann dauerte es natürlich mal wieder länger bis die Koffer da waren und der Verkäufer bei Sixt, wo wir unser Auto vorbestellt hatten, wollte unbedingt noch irgendwelche Versicherungen verkaufen. Den Weg vom Flughafen nach Los Christianos, wo die Fähre ablegt, haben wir gut gefunden, aber ein paar Minuten mehr als laut Google Maps haben wir doch gebraucht.
Und dann war da ja noch die Sache mit den Tickets: wir hatten sie zwar über directferries bereits gekauft und bezahlt, mussten aber die Buchungsbestätigung noch am Schalter von Naviera Armas einlösen. Und auf dieser stand das sei nur bis maximal eine Stunde vor Abfahrt möglich. Und wo genau ist eigentlich dieser Schalter? Egal, wir vertrauten auf die Gelassenheit der Spanier und stellten uns in die Schlange vor der Fähre, bis wir endlich das Fährbüro sahen. Ich stieg aus und besorgte die Tickets, während Sascha so weit fuhr, wie ihn die Einweiser ließen - und das war immerhin bis kurz vor dir Fähre. Kaum hatten wir die Tickets, fuhren wir als vorletztes Auto aufs Schiff und dann legten wir auch schon ab: zehn Minuten vor der Zeit, die Fähre war schließlich voll! Wir waren so froh über unser Glück und werden es so schnell nicht nochmal herausfordern.
Den Rückweg hatten wir von vornherein so geplant, dass wir nach der Fahrt mit der Fähre eine Nacht auf Teneriffa verbrachten, bevor wir zurückflogen.
Es gibt auch die Möglichkeit, mit Binter Canarias von Teneriffa nach El Hierro zu fliegen, aber wir hatten uns dagegen entschieden, weil die Flüge vom Festland beim Flughafen Teneriffa Süd ankommen und der Flug nach El Hierro vom Flughafen Teneriffa Nord startet. Eine gute Entscheidung, denn so konnten wir sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt Delphine beobachten!

La Frontera: Wanderurlaub

Restaurante Frontera: frischer Fisch und Meeresfrüchte

Den ersten Teil unseres Urlaubs wohnten wir in den Apartamentos Frontera auf der westlichen Seite der Insel. Die Unterkunft ist ein bisschen in die Jahre gekommen, aber sauber und zweckmäßig und das Personal ist sehr freundlich.

 

Dazu kommt, dass das Restaurante Frontera im gleichen Gebäude wirklich großartig ist: die einheimische Küche bietet vor allem viel frischen Fisch und Meerestiere, die stets etwas anders zubereitet sind, als man das kennt, und unglaublich lecker. Auch vom Mojo Rojo und Mojo Verde, das man als Vorspeise mit Brot gereicht bekommt, konnten wir nicht genug bekommen. 

 

Auf El Hierro gibt es ein großes Netz von Wanderwegen, die alle gut ausgeschildert sind und abseits der Hauptstraßen verlaufen. Man bekommt auf der Fähre oder bei der Unterkunft kostenlose Wanderkarten, die auch Auskunft über Dauer und Schwierigkeitsgrad der Routen geben.

 

Durch La Frontera kreuzen mehrere dieser Wanderwege und wir haben ein paar davon ausprobiert. Wir sind keine erprobten Wanderer, aber lieben es, unsere Urlaubsorte zu erlaufen. Hier findet ihr unsere Strecken:

Nachmittagstour von La Frontera zur Charco Azul

Strecke: 2x ca. 3,5 km und 300 m Höhenunterschied
Dauer: 1,5 Stunden hin (bergab) und 1,25 Stunden zurück (bergauf)

Dauer laut Wanderkarte: 1,25 Stunden pro Strecke


Der Weg zur Charco Azul ist recht einfach, meist sehr breit und hat nur wenige steile Pfade. Die Charco Azul selbst wird auch piscina natural genannt, also natürliches Schwimmbad, und ist anders als wir uns das vorgestellt hatten:


Es handelt sich um ein Felsloch, das vom Meer mit Wasser gefüllt wird. Davor sind einige Reihen Felsen, an denen sich die wilden Wellen des Atlantiks brechen, sodass man im Charco Azul davor geschützt ist. Dennoch entsteht durch die Wellen ein Sog und man sollte nicht zu nah an den Rand der Charco schwimmen, um nicht in die Brandung gezogen und gegen die Steine geworfen zu werden. 

 

Der Charco Azul ist recht klein, deshalb kann man eher baden als schwimmen und das Wasser ist sehr kalt. Wir waren die einzigen, die sich nicht nur kurz erfrischt haben, sondern eine halbe Stunde im Wasser gelegen und von dort aus die Wellen bewundert haben, weil wir dünne, ärmellose Neoprenanzüge (*) dabei hatten. Das war echt ne gute Idee, sonst wäre uns auch schnell kalt geworden.


Was man mindestens mitbringen sollte, sind Neoprenschuhe (*) oder andere Badeschuhe, weil der Einstieg felsig ist und es echt unangenehm ist, auf Lavasteinen zu gehen.

Mittagsausflug zur Hoya de Fireba und zur Hoya del Pino

Mit dem Auto sind wir zu einem Parkplatz auf dem Berg gefahren, auf dem es einen 7,5 km langen Wanderweg gibt, der sich in  verschiedene kleine Abschnitte teilt, die die Straße mehrmals kreuzen. Das macht es einfach, dort nur ein bisschen spazieren zu gehen, die Aussicht zu genießen und zu picknicken, was wir dann auch getan haben. 

 

In der Nähe der Hoya de Fireba stehen auch Picknicktische. Noch besser ausgebaut ist der Picknickplatz bei der Hoya del Pino: dort gibt es auch Toiletten, einen Spielplatz und mehrere Grillplätze.

 

Dort oben ist es im Schatten recht kühl und es war deshalb gut, nen Pulli mitzunehmen.

Picknicken unter riesigen Bäumen bei Hoya de Fireba
Picknicken unter riesigen Bäumen bei Hoya de Fireba

Tagestour von La Frontera zum Mirador de Jinama

Strecke: 2x ca. 7,5 km und 900 m Höhenunterschied
Dauer: 4,5 Stunden hin (bergauf) und 3 Stunden zurück (bergab)

Dauer laut Wanderkarte: 3 Stunden pro Strecke 

 

"Siehst Du die Baumreihe dort? Da möchte ich hin!" Sascha hatte sich in den Kopf gesetzt, diesen markanten Punkt zu Fuß zu erreichen und auch schon die Route rausgesucht. Ich bin sowieso für jede Herausforderung zu haben, also packten wir 4,5 Liter Wasser, 1,5 Liter Zitronenlimo, Brote, Obst, Wurst und Kekse ein und zogen unsere Wanderstiefel an.

 

Die ersten Kilometer durch die Ortschaften waren bereits sehr viel steiler und beschwerlicher als der Weg zum Charco Azul und ich zweifelte daran, dass wir das wirklich schaffen würden. Dazu kam die unglaubliche Hitze, die zwischen den Häusern stand und auch der Asphalt war bereits vormittags stark aufgeheizt. 

Als wir endlich auf den Sand- und Steinwegen gehen konnten, wurde es besser. Von Zeit zu Zeit machten wir kurze Pausen, um unseren Puls wieder runterzubringen oder kurz was zu trinken.

 

Der schönste Teil der Strecke war der Wald: hier war es kühl und die Luft erfüllt von Vogelgezwitscher. Die alten Bäume waren wirklich beeindruckend und es fällt schwer, die Atmosphäre in einem Foto festzuhalten. 

 

Nach ca. zwei Drittel der Strecke aßen wir eine Kleinigkeit und ruhten uns auf einem Felsbrocken aus, von dem aus man bereits einen wunderschönen Blick ins Tal hatte. 

 

Wir hofften, bald am Gipfel zu sein, trafen aber einen anderen Wanderer auf seinem Rückweg, der schätzte, wir hätten noch ungefähr eine Stunde vor uns. Das war das zweite Mal, dass ich daran zweifelte, dass wir die Tour wirklich schaffen würden: es war bereits drei Uhr, wir waren dreieinhalb Stunden unterwegs und wir wollten ja vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück sein!

Aber wir waren neugierig, gingen Biegung um Biegung weiter und wollten schließlich nicht mehr kurz vor dem Ziel aufgeben. 

 

Kurz bevor wir es schafften, überraschte mich mein Heuschnupfen. Wir hatten an alles gedacht: Kühlpack und Stützverband, Insektenspray, Pflaster, Verbandszeug, Salben, nur damit, dass mich am Gipfel eine riesige Wiese mit Gräsern erwartet, damit hatten wir nicht gerechnet. Bei wirklich fiesen Niesattacken hilft es mir, meine Nase auszuspülen und Wasser hatten wir ja dabei. Aber nächstes Mal nehm ich Antiallergika mit.

 

Der Ausblick war wirklich großartig und wir sind stolz, dass wir diesen Weg geschafft haben. Nach einer Stunde Pause - oben gibt es Schatten, Sitzgelegenheiten und eine Trinkwasserquelle - machten wir uns auf den Rückweg. Am Anfang war das körperlich kaum anstrengend, man musste nur aufpassen, dass man nicht stolpert. Aber auf den letzten ein bis zwei Kilometern haben wir dann deutlich gemerkt, dass wir gut an unsere Grenzen gegangen waren: auch stetig bergab gehen ist auf Dauer anstrengend. 

 

Zurück im Apartment haben wir uns erstmal geduscht und die Füße mit Allgäuer Latschenkiefer (*) eingerieben. Kennst du das Zeug? Wir haben es bei jedem Urlaub dabei und finden, es hilft am besten bei überstrapazierten Füßen nach einem da-wollen-wir-auch-noch-hin-Tag.

Spanischkenntnisse hilfreich

Im Gegensatz zu anderen Ferienorten in Spanien trifft man auf El Hierro auch viele spanische Touristen. Dementsprechend sprechen die Leute vor Ort nur wenig Englisch und kaum Deutsch und freuen sich, wenn man auch etwas Spanisch versteht und spricht, sodass die Unterhaltung zwischen Spanisch und Englisch wechseln kann. Wir beide haben nur Grundkenntnisse, sind damit aber gut klargekommen, auch weil die Leute auf El Hierro sehr geduldig sind, wenn man mal nach Worten ringt.

Wandern auf El Hierro
Siehst Du die Baumreihe da ganz oben? Da wollten wir hin!
Wandern auf El Hierro
Es fällt schwer, die Atmosphäre des Waldes in einem Foto festzuhalten
Wandern auf El Hierro
Geschafft!
La Frontera
Der Blick ins Tal von La Frontera

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